
Ich verfolge die Folgen des FTX-Kollapses seit Jahren, aber manche Zahlen sind einfach schwerer zu schlucken als andere. Dass die FTX-Masse Anteile an dem KI-Unternehmen Cursor für etwa 200.000 Dollar verscherbelt hat, während diese Anteile heute schätzungsweise 3 Milliarden Dollar wert sind, ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Gläubiger, der immer noch auf sein Geld wartet. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie die FTX-Verwaltung den potenziellen Wert von Cursor völlig ignoriert hat, nur um schnell an Cash zu kommen.
Während des Liquidationsprozesses mussten die Anwälte und Verwalter, die das Geld für die FTX-Gläubiger zurückholen sollten, verschiedene Venture-Investments verkaufen. Cursor, ein KI-gestützter Code-Editor, war eines dieser Assets. Damals wurde es wohl als spekulative Wette in einem überfüllten KI-Markt abgestempelt. Die Masse verkaufte die Anteile für einen Bruchteil des heutigen Wertes.
Heute ist Cursor ein riesiger Hit in der Entwickler-Community. Die aktuelle Bewertung lässt den Verkauf für 200.000 Dollar wie einen Rundungsfehler aussehen. Die Insolvenzverwalter werden sich sicher herausreden, dass sie nach dem damaligen Informationsstand gehandelt haben. Aber das Ausmaß dieses Fehlgriffs ist schlichtweg erschreckend. Wir reden hier nicht über ein paar Millionen. Wir reden über Milliarden, die die Erstattungsquoten für Menschen, die ihre gesamten Ersparnisse verloren haben, massiv hätten verbessern können.
Meiner Erfahrung nach geht es bei Insolvenzverfahren oft weniger darum, den maximalen Wert herauszuholen, sondern eher darum, Häkchen in einer Liste zu setzen, um das Gericht zufriedenzustellen. Die Leute, die diese Liquidationen leiten, sind meistens Unternehmensanwälte und keine Venture-Capitalists oder Tech-Analysten. Sie haben keine Lust auf Risiko und besitzen definitiv nicht die Weitsicht, an einem schnell wachsenden KI-Startup festzuhalten, wenn sie eine schnelle, garantierte Zahlung bekommen können.
Die Ironie ist, dass die Krypto-Welt auf der Idee des asymmetrischen Upsides basiert. Die FTX-Masse hat genau das Gegenteil getan. Sie haben das Upside gekillt, um eine kleine Unsicherheit zu vermeiden. Für den Durchschnittsnutzer bedeutet das den Unterschied dazwischen, 100 % seines Anspruchs zurückzuerhalten oder nur einen Bruchteil davon.
Das betrifft nicht nur eine einzige Firma. Es stellt die Frage, wie viele andere "wertlose" Token oder Early-Stage-Investments für Cent-Beträge verscherbelt wurden, weil die Verantwortlichen nicht einmal wussten, was sie da eigentlich in den Händen hielten. Wenn man ein Team von Profis hat, die Tausende von Dollar pro Stunde an Anwaltsgebühren kosten, erwartet man, dass sie die Assets, die sie verkaufen, auch wirklich bewerten.
Wenn Sie das lesen und denken: "Gott sei Dank liegen meine Coins nicht auf einer Exchange", dann haben Sie recht. Das FTX-Chaos hat bewiesen, dass man nicht nur dem CEO vertraut, wenn man seine Keys abgibt. Man vertraut der gesamten juristischen und administrativen Maschinerie, die übernimmt, wenn alles den Bach runtergeht.
Ich habe mich schon immer für Self-Custody ausgesprochen, weil es genau diese Fehlerquelle eliminiert. Wenn Sie Ihre Assets selbst halten, entscheiden Sie, wann Sie verkaufen und zu welchem Preis. Da gibt es keinen Insolvenzanwalt, der entscheidet, dass Ihr Investment nur 200.000 Dollar wert ist, während der Markt Milliarden sagt.
Für jeden, der immer noch einen großen Teil seines Portfolios auf einer Börse lässt: Ich kann nicht oft genug betonen, wie riskant das ist. Ich persönlich nutze einen Ledger Nano, weil es ein einfacher Weg ist, sicherzustellen, dass ich die einzige Person bin, die mein Geld bewegen kann. Die privaten Keys bleiben offline, und das ist die einzige Methode, um das Management-Versagen zu vermeiden, das wir gerade bei FTX sehen.
Ich werde die restlichen Asset-Verkäufe der FTX-Masse genau beobachten. Wenn sie so schlecht darin sind, KI-Firmen zu bewerten, frage ich mich, was sie sonst noch übersehen haben. Ich warte auch auf mögliche Klagen von Gläubigern, die argumentieren, dass die Masse ihre treuhänderische Pflicht verletzt hat, indem sie Assets so weit unter Wert verkauft hat.
Während der Markt aktuell eher gierig ist (Fear & Greed Index bei 60), Bitcoin stabil bei etwa 78.000 Dollar steht und der S&P 500 gut läuft, ist die Lehre hier eine andere: Nüchternheit. Das systemische Versagen des FTX-Liquidationsprozesses ist eine Erinnerung daran, dass das "System" selten im Sinne des kleinen Anlegers arbeitet.
Die FTX-Verwaltung hat den Wert von Cursor verpasst, weil sie auf Nummer sicher gehen wollte. In der Welt der High-Growth-Techs ist "auf Nummer sicher gehen" oft der teuerste Fehler, den man machen kann.
Sigrid Voss
Krypto-Analyst und Autor mit Schwerpunkt auf Markttrends, Handelsstrategien und Blockchain-Technologie.

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